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Zwischen Römern und Franken
Als die Römer das Rheinland besetzten, legten sie zur Sicherung ihres Gebietes ein Netz gut ausgebauter Straßen an. So führte die das Bonner Lager schneidende "Römerstraße" als Heerstraße durch Grau-Rheindorf und dann in spitzem Winkel gegen das Rheinufer. In gerader Fortsetzung erscheint sie dann erst in dem über 4 km entfernten Widdig, wo die Hauptstraße im Süden des Ortes ebenfalls am Ufer abbricht. In späteren Jahrhunderten wurde diese Straße wohl durch das starke Vordringen des Stromes zerstört. Die römische Verkehrsstraße (= Landstraße) aber lief am Bonner Lager vorbei direkt auf unseren Ort zu durchquerte ihn und wurde in ihrer Fortsetzung über die Tränke in späterer zeit gleichfalls durch den Rhein unterbrochen. Ihre Richtung weist auch auf Widdig hin. Durch Ausbau des alten "Karweges" wurde die Verbindung mit diesem Ort wiederhergestellt. Es fällt auf, dass senkrecht von der römischen Landstraße fünf Wege abgehen und in paralleler Richtung zum Vorgebirge hin verlaufen: der Alfter Pfad, der Roisdorfer Weg, der Aarweg (früher grüner Weg), der Judenpfad und der Grüne Weg (= Üdorfer Weg). An dem letzten wurde in der Flur "am Weißen Stein" eine römische Landsiedlung festgestellt. Die genannten Wege werden von drei anderen schräg geschnitten: dem Sechtemer, dem Bornheimer und dem "Aacher Weg". Über die große Bedeutung des letzteren wird noch an anderer Stelle berichtet.
Aus Hersel stammen verschiedene römische Überreste. So schenkte die Gemeinde dem Bonner Museum im Jahre 1820 einen Stein aus schwarzem belgischen Marmor, der sich in der alten Kirchhofsmauer befand, kein Ehrendenkmal für einen Statthalter der Provinz "Germania inferior", d. h. Untergermanien, zu der damals unsere Heimat gehörte. Es' wurde von dem Stallmeister Titus Flavius Dubitatus und drei Hauptleuten der 1. Legion, die in Bonn stationiert war, gestiftet. Ursprünglich stand es im Fahnenheiligtum des Lagers. Ein hier gefundener Weihestein, der von Caius Campanius Victor, einem Soldaten der 1. Legion, den „Matronae Gabia" verehrt wurde, zeigt drei sitzende Matronen. Diese waren mütterliche Gottheiten, die Familie, Feld und Vieh schützten, und wurden besonders von den germanischen Ubiern, die von den Römern vom rechten auf das linke Rheinufer verpflanzt worden waren, verehrt. Die Matronen werden meistens zu drei in einer Nische sitzend dargestellt, tragen einen Mantel, haben auf ihrem Kopfe große Hauben und halten Körbe 'mit Früchten auf dem Schoß. In christlicher Zeit wurden aus den Matronen wahrscheinlich die drei heiligen Schwestern Fides, Spes und Caritas, zu deren Heiligtum auf dem Swisterberg auch unsere Vorfahren wallfahrteten. Als dritter Stein sei noch das Grabdenkmal des Lucius Stertinius, eines Veterans der 1. Legion, erwähnt. Ein römisches Grab, das 1891 bei einem Hausbau in der Nähe des Beyerhofes zu Tage trat, enthielt neben Krügen und Töpfen auch zwei Tonlampen, vier Sigillatastempel, eine zierliche Armbrustfibel und eine Bronzezierscheibe. In einigen römischen Brandgräbern, die 1926 beim Bau der Autoumgehungsstraße angeschnitten wurden, fanden sich ein Tonkrug, eine Lampe, eine Schale und drei Krüglein. An der Üdorfer Mühle, auf dem Kirchacker und beim Bau der neuen Schule sollen ebenfalls römische Funde beobachtet worden sein. Vieles wurde leider aus Unverstand vernichtet oder an Händler verschachert.
Zu Beginn des 5. Jahrhunderts besetzten unsere Vorfahren, die Franken, das linksrheinische Land. Bald erhoben sich auch in unserem Orte zu beiden 8eiten der römischen Landstraße ihre Höfe aus Holz und Lehm. Im Mittelpunkt der Siedlung - vermutlich bei der alten Kirche - lag der Fron- und Herrenhof, in dem der Grundherr schaltete und waltete. An der Feldflur hatte jeder Freie seinen Anteil. In der Nähe der westlichen Gemarkungsgrenze befand sich Wald, wie die Flurnamen "Im Rott", "Pastors Rott" und der "Üdorfer Busch" beweisen. Der Wald war Allgemeinbesitz und diente zur Viehweide und Holznutzung.
Als nach der Taufe ihres Königs Chlodwig die Franken allmählich zum Christentum übertraten, errichtete wohl auch in unserem Orte der Grundherr in der Nähe seines Hofes für sich und seine Nachbarn ein schlichtes Gotteshaus. Näheres über die kirchlichen Verhältnisse aber vernehmen wir erst im 12. Jahrhundert.
Zur Zeit des Kölner Erzbischofs Bruno II. (gest. 1137) erbauten fromme Stifter zu Hersel ein Oratorium (= Betsaal, Kapelle) zu Ehren der HI. Cassius und Florentlus und stifteten dazu 40 Morgen Land. Mönche der Abtei Klosterrath (heute Rolduc in Holland) verbanden damit ein kleines Kloster und übten am Orte die Seelsorge aus. 8päter schenkte Albero von Pingsdorf noch 15 Morgen und Erzbischof Arnold, der Begründer der Schwarz-Rheindorfer Kirche, eine Hute Land oder 60 Morgen. Weil aber Kloster und Oratorium auf dem Grund und Boden von St. Cassius (= Münster) in Bonn standen, mussten sich die Mönche diesem unterstellen.
Die Ritter von Hersel
Im Mittelalter wohnte in unserem Orte ein Rittergeschlecht. Wo seine Burg gestanden hat, wissen wir nicht. 1271 war ein Johannes von Hersel Stiftsherr am Münster, 1276 findet sich ein Ritter Lambert, 1295 ein Johannes von Hersel. Bald aber siedelte das Geschlecht· nach Vochem bei Brühl über, wo es bis ins 17. Jahrhundert die Burg bewohnte. Als Beamte des Kurfürsten spielten unsere Ritter in Brühl eine große Rolle. Auf ihrem Wappen befindet sich ein Sparren, der rechts und links sowie unten von einigen Gleven oder Lilien begleitet ist (siehe Bild 2). In Hersel besaßen die Ritter noch bis ins 17. Jahrhundert einen Hof mit 33/4 Morgen Weingarten, der von einem Weingärtner bearbeitet wurde. Als der Boden der alten Kirche im Jahre 1933 erneuert wurde, fand man unter einer Steinplatte, auf der drei Lilien ausgehauen waren, einige Skelette. (Vermutlich handelt es sich um die Gruft der von Hersel.)
Alte Herseler Höfe - Denkmäler der Vergangenheit
Im 13. Jahrhundert erwarb der Deutsche Ritterorden für seine Komturei Altenbiesen einen Hof am Wege nach Grau-Rheindorf, der später nach einem Pächter Beyerhof genannt wurde. Zu ihm gehörten 400 Morgen Land und 9 Morgen Weingarten. Bereits im Jahre 1421 gaben Erzbischof Dietrich II. und das Domkapitel dem Landkomptur zu Altenbiesen Iwan von Cortenbach für ein zur Bekämpfung der Hussiten in Böhmen verwandtes. Darlehen von 4000 Goldgulden Dorf und Herrlichkeit Hersel mit allen Rechten und Abgaben in Pfandnutzung. Dazu gehörte auch die hohe und niedere Gerichtsbarkeit. Das Gericht bestand aus dem Schultheiß und den Schöffen. 1644 gehörten zu dem Hof 514 Morgen, darunter 171/4 Morgen Weingarten. Der damalige Halfe Leo Kneusgen hatte einen Untermesiter mit 60 Gulden, 1 Oberknecht mit 35 Gulden, 3 Arbeitsknechte mit je 55 Gulden, 3 Mägde mit 23 Gulden, 1 Magd mit 12 Gulden und 1 Schäferjungen mit 9 Gulden Jahreslohn. Der Halfe war auch Kirchenmeister und Sendscheffe und machte 1689 an die Kirche eine Stiftung von 200 Talern zugunsten dies Herseler Schulmeisters, der dafür an allen Samstagen und Feiertagen der Muttergottes zu ihrer Ehre mit den Schulkindern in der Kirche die Lauretanische Litanei samt 5 Vaterunser und Ave Maria zu beten hatte. Der 8ohn seines Nachfolgers Thomas Kneusgen, namens Hermann war von 1763 bis 1768 Abt von Heisterbach. Von ihm stammt das 1767 gestiftete so genannte Üdorfer Kreuz, das bis 1929 unter einer Kastanie an der Landstrafe bei Üdorf stand und dann an den Heisterbacherhof versetzt wurde. In seiner Art erinnert es an das Steinkreuz rechts der alten Kirche, (Bild 7) das 1751 vom Kurfürsten Clemens August gestiftet wurde. Im Jahre 1746 wurde der Beyerhof mit 550 Morgen Land, 17 Morgen Weingarten und 7 Morgen Benden an Peter Schmitz aus Erp auf 9 Jahre verpachtet. Dessen Nachfolger, Peter Josef Schmitz, erwarb den Hof nach der Säkularisation mit 150 ha Acker, Schmitz, der 1800 Bürgermeister von Hersel wurde, starb 1821. Matthias Schmitz-Werotte errichtete 1835 bei dem Anwesen eine Runkelrübenfabrik, in der eine Dampfmaschine von "c. 20 Pferde Kraft" aufgestellt war; ferner fabrizierte er Beinschwarz. Später besaßen Bürgermeister Horster und danach die Gebrüder Schülgen aus Köln den Hof.
Auch die Geschichte des Domhofes lässt sich bis ins 13. Jahrhundert verfolgen. Im Jahre 1350 löste der Domdechant einen Erbzins von 15 Pf. Kölnisch, der auf dem Ackerland des Domkapitels zu Hersel, welcher "der Gelis" genannt wurde, lastete, an Ritter Johann Scheyfard von Hersel und seine Gattin Cunegund ab. Dieser "Gelis" ist wohl der jetzige "Gillesacker". 1599 zahlte der Halfe von 150 Morgen Land und 4 Morgen Weingarten 46 Malter Roggen. An Pächtern werden erwähnt Wilhelm Rick (1591/93), Leonhardt (1645) und Merten Roggendorf (1664-1705). Der letzte hatte einen Ackerknecht mit 75 Gulden und einen Weingartsknecht mit 45 Gulden Lohn. Zur Französischen Zeit erwarb Max Groß den Hof mit 300 Morgen, wovon er 200 Morgen veräußerte. Seit längerer Zeit gehören Marienhof und Domhof der Familie Frings.
Als dritter größerer Besitz sei der Heisterbacher-Hof in Üdorf aufgeführt. Schon vor 1261 besaß Heisterbach hier Ländereien. Der zugehörige Hof hatte für den Kurfürsten große Dienste mit Knechten, Wagen, Karren, Hunden usw. zu leisten, die der Abt Im Jahre 1445 durch eine einmalige Zahlung von 1700 rheinischen Gulden ablöste. Halfe war 1625 Heindrich Veldt und 1664-1690 Johann Schorn. Dieser bewirtschaftete 230 Morgen Land und 31/2 Morgen Baumgarten mit 2 Knechten, 2 Arbeitern und 2 Mägden. Der letzte Halfe, Peter Birkhäuser, erwarb den Hof, der 1804 abgebrannt war, mit 300 Morgen und verkaufte das Land parzellenweise.
Neben diesen großen Besitzungen gab es noch zahlreiche kleinere, die hier nur kurz aufgezählt werden können. So gehörte dem Herrn von Bornheim, ein Weingartshof an der Tränke mit 2 Morgen Weingarten. Auch die Fischerei im Rhein vom Tor des Beyerhofes bis gegen die Kapelle zu Widdig stand ihm zu. Sie war an fünf Widdiger für je einen kölnischen Taler verpachtet.
Ferner besa8en die Karthäuser in Köln einen Weingartshof mit Kelterhaus, 4 Morgen Weingarten und 11 Morgen Land, das Kloster Mariengarten in Köln einen Weingartshof mit 3 Morgen Weingarten und die' Pfarrkirche St. Laurentius zu Köln den Zehnthof. In Hersel gab es fünf Zehntherren: den Pastor von Grau-Rheindorf, das Stift St. Cassius in Bonn, die Herren von St. Martin in Köln sowie den St. Laurentiusaltar und den St. Michaelsaltar in St. Laurenz zu Köln. Jeder von ihnen bezog jährlich 2 Fuder Wein, 10 Malter Korn und 10 Malter Hafer als Zehnt. Damit übernahmen die Herren die Verpflichtung, unsere Kirche instand zu halten.
In Üdort hatte die Abtei Brauweiler über 22 Morgen Land und 43/4 Morgen Weingarten, das Kapuzinessenkloster in Bonn an 20 Morgen Land (Pächter M. Dick), das Karthäuserkloster 1 Morgen Weingarten und 10 Morgen Land (Pächter Bißdorf). Im Jahre 1743 war ihr Hof am Rheinufer durch den starken Wassertrieb ganz, ruiniert worden. Ferner wird das Kloster Schillingskapellen mit 2 Morgen Weingarten und 2 Morgen Land genannt (Pächter Schladen).
Besonders erwähnt sei noch der Weingartshof des Kölner Kurfürsten, der von den Bewohnern durch "Dienste" bearbeitet wurde. Die nötigen "Rahmen" (= stähle) mussten in den kurfürstlichen Waldungen geholt werden. Aus diesem Weingarten wurde 1652 in die kurfürstliche Kellnerei in Poppelsdorf 51/3 Fuder Wein und 1659 nur ein Korb Trauben und zwei Viertel Mosterswein abgegeben. Den Steinhof in der Nähe des Domhofes, der früher dem Geschlecht von Lützenrath zugehörte, besaß im 17. Jahrhundert die Familie Roggendorf. 1746 hieß er "zur Stadt Unkel". Der Hof mußte jährlich zur Beleuchtung der Kirche 18 Quart Öl geben. .
Nach einer Statistik vom Jahre 1659 besaßen in Hersel insgesamt an Ländereien: die Geistlichkeit 347 Morgen oder 28%, der Adel und der Deutsche Ritterorden 608 Morgen oder 49% und die Bauernschaft 286 Morgen oder 23%; in Üdorf die Geistlichkeit 241 Morgen oder 50%, der Adel 43 Morgen oder 9% und die Bauernschaft 198 Morgen oder 41%. Davon war Ackerland in Hersel 88,7%, in Üdorf 91,4%, Weingarten in Hersel 11,3%, in Üdorf 8,6%. - Ferner hatte Hersel im Jahre 1449: 40, Üdorf dagegen 7 Gehöfte, im Jahre 1659 zählte man in Hersel 75, in Üdorf 11. An Steuern hatte Hersel 165 Gulden zu entrichten. Von den anderen Abgaben seien nur die Rauchhühner genannt, die von jedem Haus, von dem Rauch aufging und die "nit gefreiet" waren, abgeliefert werden mußten.
Einen interessanten Einblick in die Berufsverteilung gibt ein Kopfsteuerverzeichnis vom Jahre 1664. Danach gab es in Hersel 3 Halfen, 12 Bauern, 10 Weingartshalfwinner, 12 Weingärtner, 5 Wirte, 1 Fuhrmann, 1 Strohdecker, 2 Schneider, 1 Offermann (= Küster), 1 Krämer, 1 Assenmacher, 1 Zimmermann, 1 Sauhirt, 1 Hufschmied mit einem Lehrjungen, 9 Tagelöhner, 19 Knechte und 22 Mägde. Bei 9 Bewohnern fehlt die Berufsangabe. In Üdorf gab es 1 Halfen, 4 Bauern, 2 Weingärtner, 3 Weingartshalfwinner, 3 Tagelöhner, 2 Arbeiter, 2 Knechte und 3 Mägde. An Familiennamen finden wir in Hersel: Assenmecher, Bußacker, Buschdorf, Brewer, Deutsch, Deutz, am End, Eich, Fischenich, Giersberg, Ham, Hersel, Herter, Jacob Sewhirt, Korbmacher, Koch, Kout, Kourt, Kneusgen, Lentzen, Moll, Mäsgen, Nusbaum, Narung, Neisen, Ossendorf, Poll, Quirin in Zehenthof, Rosberg, Roggendorf, Schneider, Schlimgen, 8chumacher, Ströhedecker, Siegberg, Sieger, Vochen, Vylich, Weschpoel, Winter, Weßling, Zole und Zerris. Üdorf weist folgende Namen auf: Bern, Dietherichs, am End, Nusbaum, Roperts, Scheif, Schorn, Steinacker, Vochen, Vogelsanck und Worms. Nur wenige alteingesessene Familien werden hier ihren Namen finden. Die anderen zerstreute das Leben wie der Wind die Blätter des Waldes. .
Die alte katholische Pfarrkirche
Hören wir jetzt einiges über das Schicksal unserer alten Kirche. Das Gotteshaus, das die Mönche von Klosterrath erbaut hatten, war durch die in zahlreichen Kriegen angerichteten Plünderungen stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Im Jahre 1623 wurde durch Meister Johann Reuter aus Mainz die St. Ägidiusglocke gegossen. Nach dem Einfall der Hessen im Jahre 1645 erhielt die Kirche drei neue Altäre, die durch den Kölner Weihbischof Stravius am 14. Dezember 1650 geweiht wurden: der Hochaltar zu Ehren des Abtes Ägidius, der Seitenaltar zu Ehren der Hl. Joachim und Anna, der Jungfrau Maria und des Hl. Sebastian, der im Winkel zu Ehren der Hl. Catharina. - Als unsere Kirche dem Einsturz nahe war, forderte der Generalvikar im Jahre 1731 die Zehntherren auf, ihren schuldigen Beitrag zu dem Neubau zu leisten. Doch diese schwiegen. Als im Jahre 1741 eine neue Aufforderung erging, kam es zu einem langen Rechtsstreit, der erst 1747 damit endigte, dass sie ihren Beitrag zahlten. So konnte, der in den Jahren 1744-47 durchgeführte schlichte Bau der "Alten Kirche" (Bild 6 und 8) finanziert werden. Gewiß hat auch der Kurfürst Clemens August den Bau gefördert, worauf die Inschrift über dem Kircheneingang hinweist; aber die Ansicht, dass er der einzige Stifter gewesen sei, stimmt nicht. Wenn man auch die alten Altäre in das neue Gotteshaus übertrug, so dauerte es dennoch noch viele Jahre, bis die Ausstattung vollendet war. Hingewiesen sei auf die kostbare Kommunionbank, ein Geschenk des Steinfelder Abtes Johannes Schelse, die aus Eifeler Marmor hergestellt ist und noch heute unsere Kirche ziert, ferner auf die zierliche Bronzegittertür mit ihrem Chronikon vom Jahre 1746. Nicht vergessen seien die bunten Glasfenster, die von verschiedenen Wohltätern herrühren, vom Kurfürsten, vom Herrin von Bornheim, nicht zuletzt von der "Congregatio Rhenana", einer Vereinigung der benachbarten Geistlichen. Erst am 11. und 12. Juli 1778 wurde unsere Kirche durch den Weihbischof Carl Aloysius von Königseck eingeweiht. An den drei folgenden Tagen firmte er außerdem 942 Firmlinge aus Hersel und Umgebung. Während seines hiesigen Aufenthaltes war der Weihbischof Gast des Kölner Kaufmanns Dumont, der auf der Tränke einen reizenden Landsitz besaß, den er im Jahre 1766 von dem Bonner Handelsmann Bitter erworben hatte. Hier wurden auch in der Folgezeit viele Feste gefeiert. Im Jahre 1867 kam das Anwesen an Haas aus Widdig, dann an Reitmeister, der dort eine Goldleistenfabrik einrichtete.
Eine ungestörte Entwicklung war unserem Heimatort leider nicht beschieden. Wegen seiner offenen Lage vernichteten nicht selten Kriegszüge in kurzer Zeit, was zäher Bauernfleiß geschaffen hatte. Einige Beispiele mögen dieses veranschaulichen. Im sogenannten Schöffenkrieg (1376) ritten die Kölner mit dem Grafen Engelbert von der Mark und 200 Lanzenreitern aus und brannten bis nach Bonn hin alle Dörfer, Höfe und Scheunen nieder, nahmen den Bauern das Vieh und trieben es in die Stadt. "Und das geschah oft in dieser Fehde." Im Jahre 1377 ritten die Vertreter der Stadt und des Erzbischofs nach Hersel "up dem Ryne", um über den Frieden zu verhandeln, der am 16. Februar zu Stande kam. im Jahre 1391 aber brannte Engelbert von neuem, alle Orte bis Bonn nieder. - Kein Jahrhundert aber brachte mehr Truppendurchzüge als das unglückliche 17. Jahrhundert. Spanier, Holländer, Kaiserliche unter Pappenheim, Mansfeld, Werth, Gallas, Piccolomini, die Hessen, in den Raubkriegen Franzosen, Holländer, Lothringer, Brandenburger jagten gleich den apokalyptischen Reitern über die Landstraße dahin. - Als im Jahre 1645 die Hessen auch unseren Ort überfielen und Bewohner und Vieh gefangen nach Neuß führten, nahmen die Herseler Schöffen Leonhardt Thumhalfen (= Domhalfen) und Johann Mäsgen für sich und ihre Nachbarn zur Abzahlung der Kontributionen und zur Befreiung der Gefangenen 500 Reichstaler auf, 14 Nachbarn stellten ihren Besitz zum Unterpfand. Im nächsten Jahre plünderten die Hessen von neuem in den Rheinorten. Als die Brandenburger im Jahre 1689 vor die Festung Bonn zogen, nahm die Gemeinde Üdorf, vertreten durch den Heisterbacher Halfen Johann Schorn, zur Bezahlung der Kriegslasten 50 Reichstaler auf. Als im Jahre 1702 die Holländer Bonn belagerten, musste dieselbe Gemeinde 100 Taler aufnehmen. Im Jahre 1716 verkauften Bürgermeister (= Vorsteher) und Aufheber von Üdorf wegen Bezahlung rückständiger Steuern 1/2 Morgen Land im Werte von 45 Taler. - Dazu kam noch ein verheerender Brand im Jahre 1793. Am 8. September des Jahres. waren die meisten Bewohner zum Pützchens Markt gegangen. Als durch die Unvorsichtigkeit eines Soldaten ein Haus in Brand geriet, griff das Feuer rasch um sich, und 40 Häuser, die Hälfte des Dorfes, wurden ein Raub der Flammen. Die Sage erzählt, dass das Feuer bis zu dem Hause gegenüber der alten Kirche vordrang. Da sei ein Jude gekommen und habe auf die Ecke des Hauses etwas geschrieben. Und dort habe das Feuer halt gemacht.
Gastlichkeit in Hersel
In friedlichen Zeiten war die günstige Verkehrslage unseres Ortes nicht ohne Vorteil. Daher entstanden hier mehrere Wirtschaften. In Urkunden finden wir ihre Namen, z. B. an der Eichen (1786), zum Hirsch (1786), im Krahnen (1760), im Schwarzen Bären (1680), im Anker (1674/88) und im Weißen Pferdchen. Die letztgenannte Gaststätte wird bereits 1625 genannt. 1652 war Henrich Harn Wirt "im
Weißen Pferd", 1777 verkaufte Johann Brewer das Haus an Peter Kuth. Die Wirtschaft "zum Anker" lag am Rheinufer. An ihr machten die trinkfesten Rheinhalfen Halt, wenn sie mit ihren Schiffspferden rheinaufwärts zogen und stärkten sich an einem Krug Wein, während die Pferde sich am Hafer gütlich tun konnten. Der Maler Roidkin hat uns eine Zeichnung der Herseler Rheinwirtschaft hinterlassen. Es ist die älteste Abbildung, die es von Hersel gibt.
Wegen des herrschenden Verkehrs legte der Kurfürst im Jahre 1603 in Hersel eine Zollstelle an. Im Jahre 1618 würden die Landzölle zu Hersel und Buschdorf an Thonis Zolls und Johann Noßbaum verpachtet. Da beide Zöllner wegen ihrer Befugnisse in Streit gerieten, befahl der Kurfürst im Jahre 1649, dass Zolls von den Früchten und Weinen, welche in Hersel und Buschdorf gewachsen, wenn sie weggeführet und von den Gütern, die von auswärts durchgebracht wurden, den Landzoll erheben solle. Conrad Breuer aber solle das, was am Rhein aus- und eingehe, und nicht verzollt worden sei, beobachten und verzollen. 1665 erhielt Peter Zolls und 1692 Thönnis Kout beide Zollstellen in Hersel für 20 Reichstaler. 1715 wurden sie an den Landzöllner vom Severinstor übertragen.
In und bei Hersel erhielt die Landstraße in den Jahren 1722-24 ein neues Steinpflaster, das 5015 Reichstaler kostete. Danach wurde durch Edikt vom 10. 11. 1724 ein besonderes Wegegeld erhoben. Die Hebestelle befand sich an der Wirtschaft "Am Weißen Pferdchen". Hier wurde die Straße durch eine Barriere gesperrt. Im Jahre 1821 kam an dieselbe Stelle zur Erhebung des Chauseegeldes eine Barriere. Nach 1853 wurde sie nach Widdig an die Wirtschaft "zur Barriere" verlegt. Erst im Jahre 1876 wurde das Chauseegeld aufgehoben.
Wein- und Getreideanbau in Hersel
Von der wichtigen Verkehrsstraße Bonn-Aachen, die als Hohe Straße durch den Tannenbusch nach Bonn führte, zweigte in Roisdorf die sogenannte Landgezogerstraße ab, die als "Aacher Weg" quer durch das Herseler Feld und Buschdorf als "Vahrweg" zum Mondorfer Vahr, wie man früher die Fähre nannte, führte. Bis ins 19. Jahrhundert fuhren über sie die Fuhrleute oder Landgezoger mit ihren Planwagen, die Tuch, Seide und andere Kaufmannswaren von Antwerpen, Brabant und Aachen mit sich führten. Am Vahr zahlten sie ihren Zoll, setzten mit der Schalde über, fuhren weiter nach Siegburg, wo sie die Frankfurter Straße erreichten.
Außerdem kamen "nach uralter Gewohnheit", wie es in einem Bericht vom Jahre 1603 heißt, im Herbst die Getreidefuhren aus dem Rheinbacher Gebiet nach Hersel und den anderen Rheinorten, wo sie in Schiffe verladen und nach Mülheim, Düsseldorf und Holland verfrachtet wurden. Noch im 19. Jahrhundert brachten die Ruhrschiffe für die Rheinorte den "Schwarzen Brand" und nahmen auf der Rückfahrt Getreide und in den 80er Jahren Zuckerrüben für die Zuckerfabrik in Dormagen mit. In ähnlicher Weise kamen vom Vorgebirge zahlreiche Weinfuhren an den Rhein. Ihre Weine wurden in Schiffen verladen und zum heiligen Köln gebracht. Wie die "Alten" sich noch erinnern, war auf der Tränke ein Lagerkeller für das "Roisdorfer Wasser", das von hier seine Reise antrat.
Selbst die Aussätzigen hatten ihren Vorteil vom Rheinverkehr: in Üdorf befindet sich an der Landstraße die Flur "auf dem Klappermann", heute auch Klasmann genannt. Hier stand in alter Zeit, - wie auch auf der Höhe in Bonn - ein Siechenhaus für die Aussätzigen. Mit der Klapper in der Hand baten sie die Vorübergehenden um ein Almosen. Von dem Siechenhaus führte zum Rhein der Klappermannspfad, seit 1892 Mittelstraße genannt. Die Aussätzigen gingen über ihn zum Rhein, fuhren mit einem Nachen an die Schiffe heran und bettelten die Reisenden an. Das Siechenhaus bei Üdorf bestand im 17. Jahrhundert nicht mehr; denn 1659 heißt es, dass verschiedene Hausleute von den Aussätzigen 8 Morgen Land gekauft hätten. Kurz sei auch der hiesigen Judenmeinde gedacht, die bereits um 1500 bestand. Der "Judenpfad" führte über Bornheim und das Vorgebirge nach Heimerzheim. 1709 wird der Herseler Jude Isaak genannt. In der französischen Zeit spielte Moses Bock als Gütermakler eine bekannte Rolle. 1822 waren hier 4 Juden als Gewerbetreibende tätig, nämlich ein Weinhändler, ein Bäcker, ein Handelsmann und ein Schlächter. Auf dem kleinen Friedhof am Karweg begruben sie ihre Toten.
Im Jahre 1197 wurde unter den Gütern des Klosters Schillingskapellen auch eine Mühle zu Hersel genannt. Vermutlich war es eine Rheinmühle. Wie lange sie bestand, wissen wir nicht. 1660 gab es hier eine "Mühlengaß", die 200 Schritt lang war. Vielleicht ist damit das heutige "Mühlengäßchen" gemeint, das zwischen der alten Schule und der alten Kirche zum Rhein führt. Der "Mühlengraben" des Oberdorfes führt seinen Namen dagegen, wahrscheinlich zu Unrecht und ist aus dem Flurnamen "op der Miel" (Meile) zu erklären. Die "Widdiger Windmühle" aber, deren Turmrest noch heute emporragt, war über 500 Jahre in Betrieb. In ihr wurde für alle Orte des Dingstuhls Widdig von Oberwesseling bis Buschdorf das Getreide gemahlen und alle Bewohner des Dingstuhls mussten hierher ihr Getreide bringen. Sie war also eine sogenannte "Bannmühle", gehörte dem Kurfürsten von Köln und wurde von der Hofkammer verpachtet. Alle Mühlenpächter von Johann von Ruremondt (1585 bis 1622) bis Johann Schumacher (gest. 1802) sind uns bekannt. Die französische Domänenverwaltung verkaufte die Mühle 1805 an Severin Schumacher. Im Jahre 1818 richtete Peter Broichhausen eine Ölmühle ein. Doch war der Betrieb nur schwach. Der letzte Müller Rörig verkaufte sie 1898 an von Diergardt, der sie zu einem Aussichtsturm machen ließ, Unsere Windmühle war ursprünglich wohl ein Wartturm zur Sicherung des Verkehrs.
Wie wir bereits hörten, spielte der Weinbau in unserem Orte keine geringe Rolle. Im Jahre 1659 gab es in Hersel 138 1/2 Morgen, in Üdorf 411/2 Morgen, also insgesamt 180 Morgen "Wingert". Davon waren 46 Morgen in "Klasse A" eingestuft. Da man in einem "vollen Herbst" mit 4 Fuder auf einem Morgen rechnete, so ergeben sich bei 180 Morgen 720 Fuder. Aber nicht immer gab es eine frohe Weinlese. Auf ein gutes Jahr folgten nicht selten 3-5 schlechte, wo statt Wein Essig gekeltert wurde, Im 18. Jahrhundert ging der Weinbau immer mehr zurück. Im Jahre 1818 gab es am Ort nur noch 38 Morgen. Zwar wuchs im Jahre 1811 so viel Wein, dass nicht genug Fässer beschafft werden konnten, um den Segen zu bergen. Ein glücklicher Weinbauer soll damals ausgerufen haben: "Herrgott, hür op met dingem Sägen, Et ös ze vell. Mer könne et net zwönge!" Im Jahre 1834 erbrachte die hiesige Weinernte den Rekord von 1000 Ohm oder 167 Fuder! "Auch die Qualität ist für die hiesige Gegend befriedigend", fügte der Bürgermeister seinem Bericht hinzu. Doch wurden nach manchen Missernten die meisten Wingerte ausgehauen und mit lohnenden Gemüse- und Obstsorten bepflanzt. Den letzten Herseler Weingarten ließ der Gutsbesitzer Otto Frings 1902 zu 2/3 und 1905 ganz beseitigen.
Über die Güte unseres Weines wird recht wenig überliefert. Wenn aber der Wert eines Morgens hier auf 140 Taler geschätzt wurde, während die benachbarten höchstens auf 100 Taler kamen, dürfen wir wohl annehmen, dass er kein "Krätzer" war, wie der bekannte "soore Hungk" von St. Mauritius in Köln, aber auch kein "Leckbart", der so gut schmeckte, dass man sich den Bart danach leckte, sondern ein trinkbarer Landwein.
Als am 7. Oktober 1794 die ersten Franzosen hier durchzogen und am Abend unterhalb des Ortes lagerten, begann eine neue Zeit. Die überlebten kleinstaatlichen Einrichtungen wurden hinweggefegt und an ihre Stelle trat eine einheitliche staatliche Organisation. Manche Neuerung, so die Abschaffung des Zehnten, wurde freudig begrüßt, anderes aber von der deutsch und religiös gesinnten Bevölkerung bewusst abgelehnt. Zunächst nahm Teuerung und Not überhand. Dreimal nahm in 2 Jahren die Gemeinde Üdorf bei den Geschwistern Birkhäuser Geld auf, insgesamt 85 Reichstaler. - "1797. 1. 10. sind die Trauben zu Hersel durch die Truppen fast ganz abgelesen und die Bauern dabei noch übel behandelt worden", heißt es in einer Bonner Chronik. Im Jahre 1800 wurde Hersel Hauptort der nach ihm benannten "Mairie de Hersel", zu der die Gemeinden von Wesseling-Keldenich bis Hersel gehörten, Leiter unserer Bürgermeisterei wurde der Pächter und spätere Eigentümer des Beyerhofes Peter Josef Schmitz, unterstützt wurde er durch den Beigeordneten Jakob Werotte, der der französischen Sprache kundig war.
1802 würden sämtliche Klöster aufgehoben und ihr Besitz der Domänenverwaltung unterstellt. Bereits 1803 begann man mit dem Verkauf der Ländereien, die durch die Hand der Güter-Makler an die Bauern kamen. Im Jahre 1803 hatte Hersel 628 Einwohner. Als im September 1804 Napoleon und seine Gemahlin von Köln rheinaufuärts fuhren, wurden sie in allen Rheinorten mit Glockengeläute, Böllerkrachen und lautem Jubel des Volkes empfangen. An dem noch stehenden Grenzstein zwischen dem Roer- und Rhein-Mosel-Departement hatten die Bonner Sebastianus-Schützen ein Lager bezogen, um von dort das Kaiserpaar als Ehrenwache nach Bonn zu geleiten. 1811 beschaffte die Bürgermeisterei ein Bildnis des Kaisers. Allein im Jahre 1812 schwand die Begeisterung, äls manches junge Blut nach Rußland ziehen mußte, um nie mehr wieder zu kehren. Im folgenden Jahre mußte unsere kleine Bürgermeisterei Kriegslieferungen in Höhe von 8447 Franks leisten. Als im Januar 1814 die letzten Franzosen über die Straße nach Köln abzogen, folgten ihnen Russen und Preußen. Die Kosaken machten sich auch hier unliebsam bemerkbar. Besonders auf Wein und Sauerkraut waren sie erpicht. Als die Kosaken in Üdorf einquartiert waren, bemerkte eine Bäuerin, dass ihre Pelztournister voll von Läusen waren. Sie machte deshalb ein Pännchen mit heißem Wasser zurecht und steckte die Tournister hinein. Als sie die Ranzen herauszog, waren zwar alle Tierlein vernichtet, aber auf dem Leder war kein Haar mehr zu sehen. Die Kosaken sollen über die ratzekahlen Tournister nicht erbaut gewesen sein.
Mit starkem Mißtrauen begegneten die Bewohner dem Übergang des Landes an Preußen, Besonders unbeliebt war die hohe Steuer, der Schulzwang und die allgemeine Wehrpflicht. Kurz gesagt, die straffe preußische Disziplin. Noch im Jahre 1854 war unsere Bürgermeisterei gegen die Anschaffung einer Büste des Königs. Mit dem 15. Mai 1816 wurde die Bürgermeisterei dem neugebildeten Landkreis Bonn unterstellt. Bürgermeister blieb der bisherige "Maire" Schmitz bis zu seinem Tode im Jahre 1821. Unter seinem Nachfolger Max von Geyr zu Schweppenburg wurde die "Amtsstube" nach Weseling verlegt. Es folgten geruhsame Jahrzehnte, nur unterbrochen durch einige Ereignisse. 1822 war das schlimmste Jahr, was der Landmann je erlebte; denn die Mäuse fraßen alles ab. In der Bürgermeisterei wurden im Sommer 264320 dieser Wühler gefangen. Dennoch war um Maria Geburt keine ,grüne Flimm" mehr auf dem Felde, alles sah grau und kahl aus. Im Winter 1823 aber gingen in 2 Monaten infolge Futtermangel in unserem Amt 529 Kühe zugrunde. Im Frühjahr trat großer Mangel an Brot und Kartoffeln ein. Die Bewohner fuhren mit der "Schürreskar" zehn bis 20 Stunden weit ins Bergische Land, um Brot und Kartoffeln zu erbetteln. Von den Bergischen wurden sie reichlich beschenkt. Im Sommer aber gab es bei uns Frucht in Hülle und Fülle...
Das Jahr 1848 schlug auch in unser ruhiges Dorf seine Wellen. Nach einer Versammlung in der Wirtschaft Hohns am 15. Oktober, in der Kinkel, der Bonner Professor und Demokratenführer sprach, zogen - wie erzählt wird - die Männer mit Schüppe und Karst nach Bonn, um die Läden zu stürmen. Nach dem Mordversuch auf den Bürgermeister von Geyr verlegte dieser das Amt im Frühjahr 1849 nach Hersel. Nach seinem Rücktritt wurde Peter Josef Klein im Jahre 1850 zum Bürgermeister ernannt und verwaltete sein Amt "mit Umsicht und rastloser Tätigkeit" bis zu seinem Tode im Jahre 1863.
Sein Nachfolger war Franz Horster, Besitzer des Beyerhofes, der bereits 1869 abdankte. Darauf wurde Peter Josef Anton Klein, Sohn des verstorbenen Bürgermeisters, Leiter des Amtes. Er war eine kraftvolle Persönlichkeit. Die Errichtung des Wasserwerkes und die Förderung des Baues der Rheinuferbahn war mehr oder weniger sein Werk. Eine kleine Episode aus seiner Zelt sei hier eingeflochten: In Hersel wurde einmal ein Nachtwächter getötet. In seinem Bericht über die Tat schrieb der Bürgermeister u. a. an den Landrat: "In der vergangenen Nacht haben S i e mir meinen Nachtwächter erschlagen." Der Landrat antwortete: "Ich war in der fraglichen Nacht nicht in Hersel."
Im Jahre 1913 trat Klein nach 43jähriger Dienstzeit in den Ruhestand und wurde 1922 im Alter von 84 Jahren zur ewigen Ruhe bestattet. Neben ihm wirkten als Beigeordnete in Hersel: Josef Frings, Peter Reitmeister, Otto Frings und Josef Klein. Im Jahre 1913 kam das Bürgermeisteramt wieder nach Wesseling.
Kulturelle Entwicklung der neueren Zeit
Als wichtiger Kulturfaktor im Gemeindeleben darf in unserer kurzen Heimatchronik die Schule nicht vergessen werden. Sie wurde in alter Zeit von dem Küster geleitet, der also zugleich Schulmeister oder "Magister" war. Mitglieder der Familie Fabri übten seit 1695 beide Berufe aus. Sie unterrichteten die Jugend in einem engen Raum ihres Hauses gegenüber des alten Pastorates, bis die Gemeinde 1818 ein geräumiges Gebäude auf der Tränke erwarb und als Schule einrichten ließ. Im Jahre 1826 übernahm Peter Josef Breuer als Schwiegersohn des Küsters Peter Josef Fabri den Unterricht, Breuer muß ein außerordentlich tüchtiger Lehrer gewesen sein. Wie er in der Schulchronik berichtet, wuchs die Zahl seiner Schüler auf 160, später auf 200 an, so dass der Lehrer, weil das Schulzimmer zu klein war, sein danebenliegendes Wohnzimmer als weiteren Schulraum abtreten musste. In diesen Räumen, die nur durch ein kleines Fenster verbunden waren, unterrichtete er über 20 Jahre. "Hätte mir der liebe Gott", so schreibt er, "nicht eine ganz besondere Körperkraft verliehen, ich hätte damals unterliegen müssen." Es muss für ihn eine Erlösung gewesen sein, als im Jahre 1852 auf Veranlassung des damaligen Pfarrers Bierbaum die Ursulinerinnen nach Hersel kamen und die Mädchen des Ortes - es waren anfangs 128 - in 2 Sälen des Klosters unterrichteten. Da das alte Schulhaus sich in einem solch schlechten Zustand befand, dass der Landrat erklärte, er werde nicht "in das Loch" gehen, wurde in den Jahren 1864/65 eine neue Schule für die Knaben und nach der Schließung des Klosters im Kulturkampf noch ein zweites Gebäude aufgeführt. Im Jahre 1888 trat Breuer, der vorher einen Lehrer und eine Lehrerin als Hilfe erhalten hatte, nach 62jährigem Wirken freiwillig in den Ruhestand und starb am 28. 2. 1890 im Alter von 85 Jahren. Nach dem letzten Kriege errichtete die Gemeinde, ihrer Verantwortung für die Jugend bewusst, das neue stattliche Schulhaus.
Das bereits erwähnte Kloster der Ursulinerinnen entwickelte sich im Laufe eines Jahrhunderts zu einer hervorragenden Bildungsstätte der weiblichen Jugend, die weit über die Grenzen der Heimat bekannt ist.
Da die Einwohnerzahl unseres Ortes in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts anstieg - 1895 betrug sie 1575 -, so bot die kleine Kirche den Gläubigen zu wenig Raum. Am 23. Juli 1899 wurde der Grundstein zu der geräumigen neugotischen Kirche gelegt. (siehe Originalzeichnung des Architekten v. 1. März 1899 unten) Am 11. Juli 1901 wurde sie durch den Erzbischof Dr. Hubert Simar eingeweiht.
Zur gleichen Zeit erhielt Hersel ein neues Straßenpflaster und eine elektrische Straßenbeleuchtung durch den "Berggeist". Als neuer Markstein der Entwicklung sei die Eröffnung der Rheinuferbahn am 12. Januar 1906 genannt, die unseren Ort endlich an den modernen Verkehr anschloss. Von dieser Zeit an fuhr der Postwagen, der dreimal täglich von Bonn nach Hersel kam, nicht mehr.
Die weitere Entwicklung wurde wesentlich durch die beiden Weltkriege 1914-1918 und 1939-1945 bestimmt, in denen eine Anzahl Hersel-Üdorfer Bürger ihr Leben lassen mussten.
Im 1. Weltkrieg 1914-18 blieben 46 Hersel-Üdorfer Männer und Jungen als Opfer zurück.
Auch auf dem Kultursektor hat sich einiges geändert. Nachdem die im Jahre. 1864-65 erbauten Schulgebäude in keiner Weise mehr den erforderlichen Ansprüchen genügten, wurde in den Jahren 1953 bis 1969, in 4 Bauabschnitten der Neubau von Schulgebäuden vorgenommen. In Hersel wurden 16 Klassen, 6 Kursräume und eine Turnhalle errichtet. Die Schule gilt als Grund- und Hauptschule. An ihr werden ca. 530 Kinder von 24 Lehrpersonen unterrichtet. Die Turnhalle wird von ca. 300 Personen (wöchentlich) benutzt. In Üdorf wurde eine vorerst evg. Schule errichtet, welche nach Einstufung als Gemeinschaftsschule zur Sonderschule erklärt wurde. An ihr werden ca. 110 Kinder von 4 Lehrpersonen unterrichtet.
Das weit über unsere Ortsgrenzen hinaus bekannte Kloster der Ursulinen besitzt als moderne Bildungsstätte einen guten Ruf. Nach schweren Krisenzeiten z. B. Auflösung des Klosters im Kulturkampf 1873/80, Beschlagnahme durch das 3. Reich 1940/45, wo es vorrübergehend als Lehrerbildungsanstalt und als Flüchtlingslager diente, wurde in den Jahren 1965/68 ein Erweiterungsbau vorgenommen. Das Kloster erhielt auch von der Gemeinde einen Zuschuss in Höhe von 50 000 DM. In diesem Zusammenhang sei auch kurz auf einen Zuschuss der Regierungshauptkasse aus dem Jahre 1923 hingewiesen. Er betrug 1 Billiarde, 401 Billionen, 489 Milliarden, 835 Millionen, 500 000 Mark (1 401 489 835 500 000 Mark).
Das Kloster unterhält ein Gymnasium, Handels- und Realschule. An ihnen werden ca. 650 Schüler von 41 Lehrkräften unterrichtet.
Die Raumordpung im Jahre 1969 (Bildung einer Großgemeinde Bornheim) brachte wieder eine Reihe von Neuerungen in unser Hersel-Üdorfer Gemeinschaftsleben.
Anmerkung des Verfassers aus dem Jahre 1971
Wir hoffen und wünschen, dass die noch anliegenden aus einem echten Bedürfnis entstandenen Vorhaben, wie Bau einer Schwimmhalle, eines Dorfzentrums sowie Sportanlagen von den Vertretern der Gemeinde in Anqriff genommen und zu einem befriedigenden Ende geführt werden, dass unsere rheinische Eigenart geprägt aus Fleiß und Frömmigkeit, Frohsinn und Heimatliebe auch in Zukunft unseren Heimatorten erhalten bleibe.
Na dann...
PM